Potentialausgleich:Haus, Bad und Erdung im Neubau

Der Potentialausgleich ist der Teil der Elektroanlage, den kaum jemand sieht: ein grün-gelber Leiter an Wasserrohr und Heizung. Hier steht, wozu er da ist, wann er im Bad nötig ist und warum er im Neubau vor dem Betonieren geplant wird.

Veröffentlicht 06.11.2026 · Stand 06.11.2026

Kurz gesagt
Der Potentialausgleich verbindet Schutzleiter, Erder und metallene Rohre über die Haupterdungsschiene, damit zwischen berührbaren Teilen keine gefährliche Spannung entsteht. Früher hieß er Hauptpotentialausgleich, heute Schutzpotentialausgleich. Ein eigener im Bad ist seit 2008 meist nicht mehr nötig. Neue Gebäude brauchen eine Erdungsanlage, die vor dem Betonieren geplant wird. Stand: 11/2026

Was ist der Potentialausgleich?

Eine Verbindung aller leitfähigen Teile eines Gebäudes, die Spannung gegen Erde annehmen können, mit einer gemeinsamen Schiene. Berührt jemand gleichzeitig ein Gerät mit Fehler und ein Heizungsrohr, soll zwischen beiden keine gefährliche Spannung liegen. Er gehört zum Schutz gegen elektrischen Schlag: Die DKE nennt ihn in den Erläuterungen zur DIN VDE 0100-410 als Bestandteil der Schutzmaßnahme „automatische Abschaltung der Stromversorgung“.

Potentialausgleich in Kürze

Zentrale Stelle
Haupterdungsschiene, meist im Hausanschlussraum
Angeschlossen
Schutzleiter, Erdungsleiter, Schutzpotentialausgleichsleiter zu Rohren und Heizung (DKE)
Bad
eigener Ausgleich seit DIN VDE 0100-701:2008-10 meist nicht mehr gefordert
Neubau
Erdungsanlage ist zu errichten (DKE), Netzbetreiber dürfen sie in den TAB verlangen (BNetzA)

An der Haupterdungsschiene treffen laut DKE die Schutzpotentialausgleichsleiter, der Erdungsleiter und die Schutzleiter zusammen. Einbezogen werden fremde leitfähige Teile, die eine gefährliche Spannungsdifferenz verursachen können, etwa metallene Wasser- und Gasleitungen, die ins Gebäude führen, und raumübergreifend verlegte metallene Heizungs- und Klimasysteme. Treppengeländer, Fensterrahmen und Türzargen gehören üblicherweise nicht dazu, Kabelrinnen ebenfalls nicht, weil sie Teil der Elektroanlage sind.

Hauptpotentialausgleich oder Schutzpotentialausgleich: Was ist der Unterschied?

Keiner in der Sache, nur im Namen. Stuttgart Netze schreibt in den Ergänzungen zu seinen Technischen Anschlussbedingungen vom „Schutzpotenzialausgleich (früher Hauptpotenzialausgleich) gemäß DIN VDE 0100, Teil 410 und Teil 540“. Getrennt davon gibt es den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich, früher örtlicher Potentialausgleich genannt, der nur einen Raum oder Bereich betrifft.

Die Tabelle zeigt, welcher Potentialausgleich wo liegt und was er verbindet.

Arten des Potentialausgleichs im Wohngebäude
ArtFrüherer NameWoVerbindet
Schutzpotentialausgleich über die HaupterdungsschieneHauptpotentialausgleicheinmal je Gebäude, am HausanschlussErder, Schutzleiter, eingeführte Metallrohre, Heizung
Zusätzlicher Schutzpotentialausgleichörtlicher Potentialausgleicheinzelner Raum oder Bereichgleichzeitig berührbare Gerätegehäuse und fremde leitfähige Teile mit den Schutzleitern
Funktionspotentialausgleich—je nach AnlageTeile, die aus anderen Gründen verbunden werden, etwa gegen statische Aufladung oder für den Blitzschutz

Braucht das Bad einen eigenen Potentialausgleich?

In den meisten Fällen nicht mehr. Seit der DIN VDE 0100-701 von Oktober 2008 wird der zusätzliche Schutzpotentialausgleich im Bad nicht mehr gefordert, wenn das Gebäude einen Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene hat oder einen bekommt. So erläutert es die Fachzeitschrift „de“ zur Einführung der Norm. Fehlt dieser, müssen weiterhin alle in den Raum geführten fremden leitfähigen Teile einbezogen werden: Frischwasser- und Abwasserleitungen, Heizungs- und Klimasysteme, Gasleitungen.

Leitfähige Badewannen müssen laut derselben Quelle schon länger nicht mehr in den zusätzlichen Ausgleich einbezogen werden. Im Juni 2025 ist eine Neuausgabe der DIN VDE 0100-701 erschienen; was sie im Einzelfall ändert, klären wir bei der Planung einer Badsanierung. Zusätzlich gilt im Bad: Alle Stromkreise brauchen einen FI-Schalter mit höchstens 30 mA.

Ist eine Erdungsanlage im Neubau Pflicht?

Ja, in der Praxis schon. Die DKE schreibt in den Erläuterungen zur DIN VDE 0100-410: „In neu zu errichtenden Gebäuden ist unabhängig vom Netzsystem eine Erdungsanlage nach DIN 18014 zu errichten.“ Die DIN 18014 selbst ist als rechtlicher Rahmen die Ausführungsnorm: Sie enthält laut DIN keine eigene Forderung nach einer Erdungsanlage, sondern regelt Planung, Ausführung und Dokumentation. Die Pflicht kommt aus den Errichtungsnormen und den Anschlussbedingungen des Netzbetreibers.

Die Bundesnetzagentur hält es für grundsätzlich zulässig, dass Netzbetreiber in ihren TAB eine Erdungsanlage für Neubauten verlangen. Eine Pflicht, ausschließlich einen Fundamenterder zu bauen, erkennt sie nicht: Es gebe andere, vergleichbare Erdungsanlagen. Die Ausgabe der Norm von Juni 2023 hat den Titel von „Fundamenterder“ auf „Erdungsanlagen für Gebäude“ geändert und Kriterien für gleichwertige Ausführungen aufgenommen. Stuttgart Netze führt in der Checkliste für den Hausanschlussraum auf, dass das Anschlussteil des Erders nach DIN 18014 als rechtlicher Rahmen und die Haupterdungsschiene vorhanden sein müssen.

Weil der Erder im oder unter dem Fundament liegt, wird er vor dem Betonieren eingebaut und dokumentiert. Später lässt er sich nur mit großem Aufwand ergänzen. Planen Sie ihn deshalb mit dem Rohbau, nicht mit dem Innenausbau. Was beim Neubau sonst früh geklärt sein muss, steht auf der Seite Elektroinstallation im Neubau.

Was gilt für den Potentialausgleich in bestehenden Gebäuden?

Bei Änderungen und Erweiterungen der Elektroanlage muss er hergestellt werden. So verlangt es Stuttgart Netze, dessen Netz im TN-System betrieben wird. Eine eigene Erdungsanlage braucht ein älteres Haus, das ohne Erder gebaut wurde, laut Stuttgart Netze nur in bestimmten Fällen: wenn ein Blitzschutzsystem (dazu der Artikel Überspannungsschutz) oder eine Empfangsantenne am Gebäude installiert wird oder die Errichtungsnormen einen Erder für Schutz- und Funktionszwecke fordern. Dann ist sie nachzurüsten.

Ein Fall, der im Bestand vorkommt: Bei einer Sanierung werden Metallrohre durch Kunststoff ersetzt, und die Verbindung des Potentialausgleichs zu den übrigen Metallteilen geht verloren. Sagen Sie bei Arbeiten an Heizung oder Wasserleitung dem Installateur, dass grün-gelbe Leiter an den Rohren nicht einfach abgenommen werden dürfen, und lassen Sie die Verbindungen danach prüfen. Wie eine Prüfung der Elektroanlage abläuft und was dabei gemessen wird, steht auf der Seite Elektroprüfung mit Prüfprotokoll.

Bei einer Prüfung der Anlage wird der Potentialausgleich mitgeprüft; fehlt er, wird er bei der nächsten Erweiterung hergestellt.

Rohre getauscht, Bad saniert? Lassen Sie den Potentialausgleich prüfen.

Eine Messung zeigt, ob Schutzleiter und Potentialausgleich noch durchgängig verbunden sind.

Name
Oguzhan Murat
Funktion
Inhaber · Ansprechpartner
Qualifikation
Geprüfter Industriemeister – Fachrichtung Elektrotechnik (IHK)

Fragen zum Potentialausgleich

Darf ich den Potentialausgleich selbst anschließen oder lösen?

Nein. Der Potentialausgleich ist Teil der Schutzmaßnahme gegen elektrischen Schlag. Wer einen Leiter löst, kann den Schutz für das ganze Haus schwächen, ohne dass es jemand merkt. Anschließen, Ändern und Prüfen gehören in die Hand einer Elektrofachkraft. Sie selbst können nur hinsehen: Ist an den Rohren im Hausanschlussraum ein grün-gelber Leiter angeschlossen und unbeschädigt?

Meine Wasserleitung ist aus Kunststoff. Brauche ich trotzdem einen Potentialausgleich?

Kunststoffleitungen leiten nicht und werden deshalb nicht einbezogen. Der Potentialausgleich bleibt trotzdem nötig, denn er verbindet auch Schutzleiter, Erder, Heizung und Gasleitung. Wichtig ist, ob nach einem Teiltausch noch Metallabschnitte übrig sind, die vorher über das Rohrnetz verbunden waren und jetzt isoliert sind. Das klärt eine Messung. Sie zeigt, ob alle Teile noch niederohmig mit der Haupterdungsschiene verbunden sind.

Was ist der Unterschied zwischen Fundamenterder und Ringerder?

Ein Fundamenterder liegt im Beton des Fundaments, ein Ringerder im Erdreich rund um das Gebäude. Ist das Fundament gegen das Erdreich gedämmt oder abgedichtet, hat der Beton weniger Kontakt zum Boden. Die Ausgabe von 2023 der Norm für Erdungsanlagen enthält dazu laut DIN zusätzliche Angaben zu Betonfundamenten mit geringerem Kontakt zum Erdreich. Welche Ausführung passt, legen Planer und Elektrofachkraft vor dem Betonieren fest.

Muss eine Satellitenschüssel an den Potentialausgleich?

Für die Erdung von Antennenanlagen gilt eine eigene Norm, auf die Stuttgart Netze in den Anschlussbedingungen verweist. Stuttgart Netze nennt eine Empfangsantenne am Gebäude als einen der Fälle, in denen ein älteres Haus ohne Erder eine Erdungsanlage nachrüsten muss. Bevor eine Schüssel am Dach montiert wird, sollte deshalb geklärt sein, wohin ihr Erdungsleiter führt.

Wie wird geprüft, ob der Potentialausgleich in Ordnung ist?

Durch Besichtigen und Messen. Die Elektrofachkraft sieht nach, ob alle Leiter an der Haupterdungsschiene und an den Rohren angeschlossen sind, und misst, ob die Verbindungen durchgängig sind. Bei neuen oder geänderten Anlagen geschieht das bei der Prüfung vor der Inbetriebnahme, im Bestand bei einer wiederkehrenden Prüfung oder vor einer Sanierung. Das Ergebnis steht im Prüfprotokoll.

Grundlagen & Normen
Erläuterungen zum Konzept von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 · DKE · abgerufen 2026-11-06
Ergänzungen zu den Technischen Anschlussbedingungen (TAB 2023), Ausgabe Dezember 2023 · Stuttgart Netze · abgerufen 2026-11-06
Erdungsanlagen für Gebäude – Planung, Ausführung und Dokumentation, Ausgabe 2023-06 (Einführungsbeitrag) · DIN, Normenausschuss Bauwesen · abgerufen 2026-11-06
Erdungsanlagen-Positionspapier (BK6-20-216, Stand 15.06.2021) · Bundesnetzagentur, Beschlusskammer 6 · abgerufen 2026-11-06
Räume mit Badewanne oder Dusche – Neue Norm DIN VDE 0100-701:2008-10 (Heft 23–24/2008) · de – das elektrohandwerk · abgerufen 2026-11-06
DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701):2025-06, Orte mit Badewanne oder Dusche · DIN Media · abgerufen 2026-11-06