Ratgeber · Fehlerstromschutz
FI-Schalter nachrüsten:Pflicht, Bestandsschutz, Typen
Für eine bestehende Anlage ohne FI-Schalter gibt es keine allgemeine Nachrüstpflicht. Sobald Sie etwas ändern, gilt für das Neue der heutige Stand. Hier steht, wo die Grenze liegt und welcher Schalter passt.
- Kurz gesagt
- Eine bestehende Anlage ohne FI-Schalter muss nicht allein wegen neuer Normen nachgerüstet werden, stellt die DKE klar. Wer erweitert oder ändert, braucht für neue Steckdosen und Stromkreise einen FI mit höchstens 30 mA. Welcher Typ passt, hängt von der Elektronik der Geräte ab: Typ A für einfache Schaltungen, Typ F oder B bei Frequenzumrichtern, Typ B bei geglätteten Gleichrichtern. Stand: 11/2026
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Muss ein FI-Schalter im Altbau nachgerüstet werden?
Nein, nicht allein, weil es ihn heute für neue Anlagen gibt. Die DKE, das Normungsgremium für die DIN VDE 0100, schreibt in ihrer Erläuterungsliste zur aktuellen DIN VDE 0100-410: „Aus den Anforderungen dieser Norm ist eine Nachrüstpflicht für bestehende Anlagen nicht abzuleiten.“ In der FAQ zur DIN VDE 0100-420 steht dasselbe allgemein: Eine Anlage, die beim Bau den damals gültigen Normen entsprach, muss bei neuen Normen nicht nachgerüstet werden.
FI-Schalter im Bestand
- Bestehende Anlage, unverändert
- keine Nachrüstpflicht aus DIN VDE 0100-410 (DKE)
- Neue Steckdosen, Erweiterung, Änderung
- Schutz durch FI mit höchstens 30 mA (DKE)
- Nicht berührte Stromkreise
- keine normative Pflicht zur Nachrüstung (de 4/2020)
- Ausnahmen
- geänderte Betriebsbedingungen oder Nutzung eines Raums (DKE)
Keine Pflicht heißt nicht, dass es egal ist. Laut VDE senkt ein FI-Schalter mit 30 mA das Risiko eines tödlichen Stromunfalls wesentlich. Der VDE-Ausschuss für Sicherheits- und Unfallforschung empfiehlt Hauseigentümern mit veralteter Anlage ausdrücklich, sich über eine Anpassung beraten zu lassen. Als besonderes Risiko nennt er Räume, in denen geerdete Metallteile wie Heizkörper berührbar sind. Die DKE nennt Kinderzimmer als Beispiel, in dem sich der Schutz mit FI-Steckdosen ohne großen Aufwand nachrüsten lässt. Wann sich eine Teil- oder Komplettsanierung lohnt, steht auf der Seite Elektrik im Altbau erneuern.
Seit wann ist der FI-Schalter für neue Anlagen Pflicht?
Für Steckdosen bis 20 A seit der DIN VDE 0100-410 von Juni 2007, für Bäder in allen Stromkreisen seit der DIN VDE 0100-701 von Oktober 2008. Die Ausgabe der DIN VDE 0100-410 von Oktober 2018 hat den Kreis erweitert. Die Normen sind der rechtliche Rahmen für die Errichtung; sie wirken nach vorn, nicht auf bestehende Anlagen.
Die Tabelle zeigt die Ausgaben, die den zusätzlichen Schutz durch FI-Schalter mit höchstens 30 mA eingeführt oder erweitert haben.
| Norm-Ausgabe | Gefordert für | Hinweis |
|---|---|---|
| DIN VDE 0100-410:2007-06 | Steckdosen bis 20 A für Laien und allgemeine Verwendung | abgelöst durch die Ausgabe 2018-10 |
| DIN VDE 0100-701:2008-10 | alle Stromkreise in Räumen mit Badewanne oder Dusche | Ausnahme nur für Stromkreise, die ausschließlich Warmwasserbereiter versorgen; seit Juni 2025 gibt es eine Neuausgabe |
| DIN VDE 0100-410:2018-10 | Steckdosen bis 32 A und Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen | Übergangsfrist für die alte Ausgabe bis 07.07.2020 |
Die Pflicht für Beleuchtungsstromkreise gilt laut DKE in Wohnungen, im Einfamilienhaus generell; Treppenhäuser von Mehrfamilienhäusern zählen nicht zur Wohnung. Für ein Haus, das vor diesen Ausgaben errichtet wurde, gelten sie nur dort, wo es seitdem erweitert oder geändert wurde.
Wann wird ein FI-Schalter bei Änderungen Pflicht?
Sobald Sie die Anlage erweitern oder ändern, gilt für die neuen Teile der aktuelle Stand. Die DKE formuliert es so: Wird eine bestehende Anlage erweitert, geändert oder werden zusätzliche Steckdosen errichtet, müssen diese einen Schutz durch FI-Schalter mit höchstens 30 mA haben. Das gilt auch für Teile der Anlage, die von der Änderung beeinflusst sind. Typische Auslöser:
- neue Küche mit zusätzlichen Steckdosen und Stromkreisen für Herd, Spülmaschine und Backofen
- Badsanierung, bei der Leitungen und Anschlüsse neu gesetzt werden
- Ausbau von Dachgeschoss oder Keller, neue Außensteckdosen
- neue Unterverteilung oder Umbau des Zählerschranks
Nicht betroffen sind Stromkreise, an denen nichts geändert wird. Die Fachzeitschrift „de“ hat 2020 auf eine Leseranfrage geantwortet, dass sich aus den Normen keine Pflicht ableiten lässt, bei einer kleinen Erweiterung auch die bestehenden Steckdosenkreise nachzurüsten. Steht ohnehin ein Umbau im Zählerschrank an, etwa für Photovoltaik oder Wärmepumpe, lohnt es sich, den Fehlerstromschutz gleich für das ganze Haus mitzuplanen: Zählerschrank erneuern oder ertüchtigen.
Typ A, F oder B: Welcher FI-Schalter passt?
Das hängt von der Elektronik der angeschlossenen Geräte ab, denn sie bestimmt, welche Form ein Fehlerstrom annehmen kann. Die DKE gibt dazu die Tabelle aus Anhang A der DIN VDE 0100-530 wieder; als rechtlicher Rahmen gilt sie für die Auswahl bei der Planung.
Die Tabelle ordnet Schaltungen in Geräten dem FI-Typ zu, der bei einem Fehler noch schützt.
| Typ | Schützt bei Schaltungen wie | Beispiel |
|---|---|---|
| Typ A | Phasenanschnitt, Burst-Steuerung, Zweipuls-Gleichrichtung ohne Glättung | Dimmer mit Phasenanschnitt, einfache Netzteile |
| Typ F | zusätzlich Frequenzumrichter mit Zweipuls-Brückenschaltung | einphasige Geräte mit Frequenzumrichter, etwa drehzahlgeregelte Motoren |
| Typ B | zusätzlich Gleichrichter mit Glättung, Drehstrom-Brückenschaltungen, Frequenzumrichter zwischen Außenleitern | dreiphasige Geräte mit Leistungselektronik, Netzteile mit Glättung oder PFC |
Für Ladepunkte von Elektroautos verlangt die DIN VDE 0100-722 laut DKE entweder Typ B oder Typ A beziehungsweise F zusammen mit einer Einrichtung, die Gleichfehlerströme ab 6 mA erkennt. Manche Ladeeinrichtungen haben diese Erkennung bereits eingebaut. Welcher Typ an einem Gerät nötig ist, steht in seiner Installationsanleitung.
Lässt sich ein FI-Schalter bei klassischer Nullung nachrüsten?
Im Verteiler nicht, an einzelnen Steckdosen schon. In Anlagen mit klassischer Nullung dient ein Leiter gleichzeitig als Neutral- und als Schutzleiter. Die DIN VDE 0100-410 sagt dazu: „In TN-C-Systemen darf keine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) verwendet werden.“ Die DKE lässt aber FI-Schalter in einer Baueinheit mit einer Steckdose zu, wenn eine Anlage erweitert wird, auch dann, wenn die vorhandenen Stromkreise klassisch genullt sind. Sie empfiehlt, bei der Nachrüstung alle Steckdosen eines Raums so auszustatten.
Die dauerhafte Lösung ist die Umstellung der Stromkreise auf getrennten Neutral- und Schutzleiter. Ob in Ihrem Haus klassische Nullung vorliegt, zeigt eine Elektroprüfung mit Messung.
Wovon hängt der Aufwand für die Nachrüstung ab?
Vor allem davon, ob im Verteiler Platz ist und ob die Leitungen einen Schutzleiter haben. Den Betrag nennen wir nach dem Blick in den Verteiler. Diese Faktoren bestimmen ihn:
- freie Plätze im Verteiler; fehlen sie, wird eine neue Unterverteilung nötig
- Zahl der Stromkreise und ihre Aufteilung auf mehrere FI-Schalter, damit sich Ableitströme nicht an einem Schalter summieren
- vorhandener Schutzleiter in allen Stromkreisen; bei klassischer Nullung kommt die Umstellung dazu
- benötigter Typ, etwa Typ B für dreiphasige Geräte mit Leistungselektronik
- Messung vor und nach dem Einbau, damit der FI nicht wegen eines vorhandenen Isolationsfehlers sofort auslöst
Sinnvoll ist eine Prüfung der Anlage vor der Nachrüstung: Sie zeigt, ob ein FI im bestehenden Verteiler reicht oder ein Umbau sinnvoller ist.
Kein FI im Verteiler? Lassen Sie die Anlage einmal messen.
Die Messung zeigt, ob Schutzleiter und Isolation für einen FI-Schalter passen und was die Nachrüstung umfasst.
- Name
- Oguzhan Murat
- Funktion
- Inhaber · Ansprechpartner
- Qualifikation
- Geprüfter Industriemeister – Fachrichtung Elektrotechnik (IHK)
- Telefon
- 0176 32438306
Fragen zum Nachrüsten eines FI-Schalters
Muss mein Vermieter einen FI-Schalter nachrüsten?
Eine allgemeine gesetzliche Pflicht dazu haben wir nicht gefunden, und die Normen fordern für unveränderte Bestandsanlagen keine Nachrüstung. Anders ist es, wenn der Vermieter die Anlage ändert oder erweitert: Dann bekommen die neuen Teile den heutigen Schutz. Zeigt sich ein Mangel, der die Sicherheit gefährdet, muss er handeln. Das ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Reicht ein einziger FI-Schalter für das ganze Haus?
Technisch schützt er alle Stromkreise dahinter, praktisch hat das zwei Nachteile. Löst er aus, ist das ganze Haus ohne Strom, auch Kühlschrank und Heizung. Und die Ableitströme aller Geräte summieren sich an einem Schalter, was Fehlauslösungen begünstigt. Die DKE weist darauf hin, dass Stromkreise nach DIN VDE 0100-100 aufgeteilt werden müssen, um die Folgen eines Fehlers zu begrenzen. Üblich sind deshalb mehrere FI-Schalter oder kombinierte FI/LS-Schalter je Stromkreis.
Was ist ein FI/LS-Schalter?
Ein Gerät, das Fehlerstrom- und Leitungsschutzschalter vereint. Es sitzt am Anfang eines einzelnen Stromkreises und schaltet nur diesen ab, egal ob Überstrom oder Fehlerstrom die Ursache ist. Die DKE nennt in den Erläuterungen zur DIN VDE 0100-410 die Empfehlung, für Steckdosen und Stromkreise im Außenbereich FI/LS-Schalter zu verwenden. Fällt dann ein Stromkreis aus, bleiben die übrigen in Betrieb.
Kann ich statt eines FI im Verteiler einfach eine FI-Steckdose einsetzen?
Für einzelne Steckdosen ist das ein zulässiger Weg, den die DKE ausdrücklich nennt, auch bei klassischer Nullung. Er schützt aber nur die Geräte an dieser Steckdose und an den mit ihr verbundenen Steckdosen unter derselben Abdeckung, nicht den ganzen Raum. Einsetzen muss sie eine Elektrofachkraft, denn dafür wird die Dose geöffnet und an der Leitung gearbeitet.
Ist ein Brandschutzschalter dasselbe wie ein FI-Schalter?
Nein. Ein Brandschutzschalter, auch Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung genannt, erkennt gefährliche Fehlerlichtbögen, wie sie an beschädigten Leitungen entstehen und einen Brand auslösen können. Ein FI-Schalter erkennt Fehlerströme gegen Erde und schützt vor allem Menschen. Die DKE nennt den Brandschutzschalter in ihrer FAQ zur DIN VDE 0100-420 als eine mögliche Maßnahme, etwa in Räumen mit Schlafgelegenheit. Ob er in Ihrem Haus sinnvoll ist, klärt eine Bewertung der Anlage.
- Grundlagen & Normen
- Erläuterungsliste zur DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 · DKE, UK 221.1 · abgerufen 2026-11-06
- Erläuterungen zum Konzept von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 · DKE · abgerufen 2026-11-06
- FAQ-Liste zur DIN VDE 0100-420 (Anpassungspflicht bestehender Anlagen) · DKE · abgerufen 2026-10-01
- Räume mit Badewanne oder Dusche – Neue Norm DIN VDE 0100-701:2008-10 (Heft 23–24/2008) · de – das elektrohandwerk · abgerufen 2026-11-06
- DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701):2025-06, Orte mit Badewanne oder Dusche · DIN Media · abgerufen 2026-11-06
- Bestandsschutz bei Erweiterung von Unterverteilungen? (Heft 4/2020) · de – das elektrohandwerk · abgerufen 2026-11-06
- FAQ-Liste zu DIN VDE 0100-722 (VDE 0100-722):2019-06, Ladepunkte für Elektrofahrzeuge · DKE · abgerufen 2026-11-06
- Heizungseinbau in Altbauten – Stromschlag in der Wohnung verhindern · VDE, Ausschuss Sicherheits- und Unfallforschung · abgerufen 2026-11-06